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TjänaStan im Mai

So war es also. Wieder mal gut. Und doch anders. Die Freitagsprojekte sind sehr gut gelaufen, vor allem Karens Projekt im Altenheim. Der Fikawagen, der zum ersten Mal in Hjällbo stand, einem Stadtteil mit über 90% Ausländeranteil, wurde mit Vorsicht und Interesse beschnüffelt und das Angebot kostenlosen Safts, Kaffees oder Tees mit Gebäck mit Verwunderung angenommen. Zu einer etwas früheren Tageszeit wäre es vielleicht noch belebter gewesen auf diesem Platz. So macht man halt seine Erfahrungen. Das Wetter war am Freitag auch recht warm und sonnig. Für Samstag meinte der Herr allerdings, dass dieses Wetter nicht nötig sei und hat unsere Gebete schlichtweg nicht erhört. Es war kalt und gegen 11 begann es in Strömen zu regnen. Die meisten Projekte liefen trotzdem ganz gut, doch es waren entsprechend viel weniger Menschen auf den Beinen. Judy hatte nur halb so viele obdachlose Gäste wie letztes Jahr, „Handla för andra“ sammelte nur halb so viele Kartons mit Lebensmitteln ein. Viele Freiwillige gingen am frühen Nachmittag nass und durchgefroren heim, entsprechend klein wurde auch die Abschlussparty. Da war es natürlich eine Versuchung, Gefühle der Enttäuschung zuzulassen und nicht mehr zu sehen, was der Herr alles im Kleinen getan hat.

Da war zum Beispiel der Kerl im Fischstand. Ständig schossen die Fußballleute den Ball über seine Bude bis er einen der Freiwilligen fragte, was denn da los sei. Er bekam eine Erklärung und sagte, das fände er so toll, dafür würde er gerne sofort überall Werbung machen. Vor allem bei seinen Kunden. Ob er auch so ein T-Shirt haben könne, er würde es sofort anziehen und auf TjänaStan hinweisen. Und so geschah es.
Oder die beiden Verkäuferinnen aus Göteborg. Judy hatte in diesem Laden um kleine Preise für das Fest gebeten. Nun, die konnten sie uns nicht geben. Aber die ganze Idee von TjänaStan hat sie so beschäftigt, dass sie am Freitagabend in Hjällbo auftauchten und bis 12 Uhr nachts im Kaffeewagen mithalfen. Da standen also neben den anderen „offiziellen“ Freiwilligen zwei junge Frauen im besten Discoalter, die junge Araber und Frauen im Kopftuch zum Tee einluden und meinten, dies sei absolut keine typische Freitagabendbeschäftigung, aber so cool, dass sie das öfter machen wollen.
Oder die warmherzige Beziehung zur arabischen Gemeinde in Hjällbo, die durch den Kaffeewagen aufgebaut wurde. Wir waren willkommen, deren Küche zur Vorbereitung zu benutzen und erlebten selbst ein bisschen orientalische Gastfreundschaft.
Oder der Obdachlose auf Judys Picknick, der gar nicht wie ein solcher aussieht, und der sagte, er werde langsam bereit, sich Jesus zu öffnen. Er möchte da raus und er würde gerne mit uns über den Glauben sprechen. Wir mögen ihn bitte anrufen.
Oder die glücklichen Menschen im Altenheim, deren Glück niemand sieht, dass eine Gruppe Menschen ihnen Bildbände aus Altgöteborg mitbrachte und sie von alten Zeiten erzählen durften, dass den Frauen die Nägel schick gefeilt und lackiert wurden, dass Kinder mit ihnen gepuzzelt haben.
Oder die Frau, die zu unserem Stand gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution in Schweden kam. Von den vielleicht 50 Leuten, die an unseren Stand kamen, haben 49 nur Gebäck genommen, vielleicht gefragt was das denn solle und bestenfalls viel Glück gewünscht. Aber diese eine Frau sagte, hier müsse dringend was gemacht werden, sie kenne einige solcher Mädchen persönlich, sie würden in Mietswohnungen gefangen gehalten, müssten täglich zig Freier über sich ergehen lassen, hätten keinen Pass und keine Rechte. Alle Versuche, ihnen mit Hilfe der Göteborger Polizei zu helfen, seien gescheitert, weil die Polizei hier ein sehr merkwürdiges Konzept verfolge in Sachen Menschenhandel. Mit Freude schrieb sie ihre Telefonnummer auf und ich werde Kontakt mit ihr halten. (Ich muss dazu sagen, dass mich dieser Kontakt ganz besonders freut, weil mich persönlich das Problem des Traffickings (=Menschenhandel oder moderne Sklaverei) sehr bewegt und auf die Palme bringt. Trafficking ist der weltweit drittgrößte Umsatzmarkt, eine wahrhaft teuflische Art des organisierten Verbrechens und alle Welt tut so, als gäbe es das in unseren Breiten nicht. Damit ist es im buchstäblichsten Sinne okkult (=versteckt).Traffickingopfer gehören zu den ärmsten Schweinen auf dieser Welt. Ich kann nur immer wieder sagen, dass ich nicht akzeptieren will, was Jesus auch nicht akzeptiert.)
Oder die glücklichen Bus- und Straßenbahnfahrer, denen sich plötzlich ein freundliches Wesen in den Weg stellte mit einem Schild „Ich glaube, Du bist einen Kaffee wert“. Nach der ersten Verwunderung wurde das Schild umgedreht: „Darf ich Dich einladen?“ und dann kam das freundliche Wesen in die Fahrerkabine und teilte einige freundliche Worte und gute Sachen aus.
Oder die Sängerin auf unserem Fest. Wir hatten eigentlich eine Band eingeladen, doch die musste kurzfristig absagen. Über Beziehungen fand sich eine Frau, eine Göteborger Schauspielerin, die weder Saron so gut kennt noch bei H2O mitmacht, die aber dennoch sofort begeistert zusagte. Und einen Pianisten würde sie auch noch mitbringen. Es stellte sich heraus, dass der mitgebrachte Pianist der Kantor in der Angeredskirche in Gunnilse ist, und auch er war völlig sprachlos von TjänaStan und was H2O so macht. Die zwei machten derartig gute und professionelle Musik, dass sie Christen wie Nochnichtchristen zu Tränen rührten.
Oder die Gespräche, die sich so nebenher ergeben, und die davon berichten, dass Menschen uns vertrauen und Beziehungen wachsen, weil die Christen durch TjänaStan plötzlich etwas glaubwürdiger erscheinen. Selbst Regen lässt diese Menschen nicht davon abhalten, freiwillig auf die Straße zu gehen und anderen Menschen etwas gutes zu tun. Und damit wurde unser Motto „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst und übe Dich darin besser zu werden“ durchaus erfüllt.
Danke für jedes Gebet, das von Deutschland aus zum Thron des Allmächtigen geschickt wurde.
Bilder kommen später, ok?

2 Kommentare

  1. erni wimmer erni wimmer

    ich finde es super das ihr euch so unter das Volk mischt.Jesus hat es genau so gemacht. Gott, unser Vater freut sich bestimmt darüber.

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