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Das Kreuz mit dem Kreuz

Am Langfreitag, wie der heutige Tag hier heißt, darf man nach altschwedischer Tradition gar nichts machen – außer in die Kirche gehen und trauern. Bestenfalls Essen zubereiten und verzehren, aber eigentlich sollte man fasten. Keine Musik, keine Aktivitäten und erst recht keine Spiele oder irgendwas, das Spaß machen könnte. Kinder wussten darum gut, warum es Langfreitag heißt: dieser Tag ist eine ewig langweilige Tortur. Nicht verwunderlich also, warum der Langfreitag massiv an Popularität verloren hat. Und heutzutage kommen ja noch die ganzen humanistischen Argumente hinzu; warum die Todesfolter eines Mannes zelebrieren? Und wenn das auch noch von einem angeblichen Gott angeordnet sei, na, dann habe man es doch schon wieder, warum Religion zweifelhaft und destruktiv sei.

Das Kreuz mit dem Kreuz. Den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit. So ist es auch heute noch. Eine gefühlte Unmöglichkeit. Passt nicht mehr in unsere Zeit. Ist lanweilig. Darf nicht sein. Am Besten ließe man Karfreitag ganz sein.

Ich glaub‘ im vergangenen Herbst habe ich zum ersten Mal verstanden, warum wir Westler so unsere Schwierigkeiten mit dem Zorn Gottes haben. Zorn, der heute erbarmungslos seinen eigenen Sohn trifft. Ich sollte eine Vorlesung im Missionskurs zum Thema „Entwicklungshilfe und Gerechtigkeit“ vorbereiten. Die Literatur, die ich zur Vorbereitung las, ließ mich immer wieder stocken und trieb mir manchmal Tränen in die Augen. Die riesige Summe der Menschen nämlich, welche in ärmsten Verhältnissen leben, ist schauderhaft. Und die Einsicht, dass wir im Westen welthistorisch zu einer priviligierten Minderheit gehören, welche den Luxus genießt, über jeden quersitzenden Furz jammern zu können, ist ernüchternd. Global gesehen sind wir feudale Herrscher in feudalen Schlössern, welche von Leid und Armut um uns herum nichts mitbekommen wollen.

Wenn Gott sich aber nun als Gott der Gerechtigkeit vorstellt und obendrein ausdrücklich betont, dass er ein Gott der Witwen und der Waisen, der Armen und Ausgegrenzten ist, wenn man sich mal ein paar Bibeltexte reinzieht, wo Gott erklärt, wie er mit ungerechten Herrschern umzugehen gedenkt, dann sehen wir feudalen Westler wahrlich keiner rosigen Gottesbegegnung entgegen. Kein Wunder also, dass wir den zornigen Gott lieber wegdiskutieren. Oder uns vorzugsweise über einen alten Tattergreis lustig machen. Reiche Länder wollen keinen gerechten Gott. Er ist zu Recht bedrohlich. Arme brauchen einen gerechten Gott. Er gibt ihnen Recht und Hoffnung.

Wer die bestehende Ungerechtigkeit also begreift und einsieht, wird wirklich dankbar, dass der lebensgefährliche Zorn, welcher unsere Ungrechtigkeit erwartet, sich heute am Kreuz entlädt. Allerdings nur für die, die es einsehen und nicht selbst getroffen werden wollen. Danke, Gott, für Deine unbestechliche Gerechtigkeit. Danke, Jesus, für Dein unbeschreibliches Opfer.

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