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Die Lehre der Leere (13): Big Business

Nicht die Kirche Gottes hat eine Mission, sondern die Mission Gottes hat eine Kirche. Ich fand dieses Zitat schon immer treffend. Man muss es mehrmals lesen, auf der Zunge zergehen lassen. Glückwunsch an jenen gesegneten Geist, der es formuliert hat.

Mission heißt, Gott sein Ding machen lassen. Wie die zwölf Jünger dackeln wir unserem Meister hinterher, haben keine Ahnung, wo er als nächstes hingeht. Wir erleben Wunder und Leid, verstehen ihn nicht immer, lehren mit ihm und lernen doch selbst am meisten. Das Hinterherdackeln ist alles andere als gemütlich, doch ist es das, was dem Wort Leben am nächsten kommt.

Das war es, was ich immer wollte: Leben. In seinem vollen dynamischen Umfang.

Dazu gehörte wohl auch, dass Gott mir einen großen dynamischen Umfang seiner Gemeinde auf der Welt gezeigt hatte. Treue Einzelkämpfer. Tanzende Gospelchurches. Geschlechtergetrennte Gemeinden. Oder Gleitzeitgottesdienste in Megachurches, wo man vor allem Sahneeis schleckenderweise zur Kernzeit Predigt teilnimmt. Um nur wenige Beispiele zu nennen.

Doch er hatte mir auch etwas gezeigt, das ich eigentlich gar nicht wissen wollte. Christen hatten aus seiner Mission ein Business gemacht.

Gemeinden wurden mehr wie Firmen geführt als wie organische Zellen des Himmels. Leiter beteten kurz „Herr, segne unsere Pläne!“ so sie denn überhaupt zu beten pflegten. Es gab frommen Erfolgsdruck, Geltungssucht, Angst vor dem Risiko, prominente Christen, Shows, so mancher Gottesdienst unterschied sich äußerlich kaum von professionellen Rockkonzerten. Und: wer Geld hat, hat Macht. Frommes Geld ist fromme Macht. Spätestens seit ich ab und zu in die Liga der Global Players hineinschnuppern durfte, wurde dies ziemlich deutlich. Natürlich sagt das niemand so. Man spürt es nur.

Ich spürte auch die Versuchung, darüber hochnäsig den Kopf zu schütteln. Jenes geflüsterte „Du irrst dich, Marcus, weil du weder die Schrift noch Gottes Macht kennst“ bewahrte mich, der Versuchung zu erliegen. Denn die Welt steckt auch in mir. Die Spannung zwischen in der Welt und nicht von dieser Welt beträgt viele tausend Volt. Es war schon immer leichter, sich für einen der beiden Pole zu entscheiden. Doch Mission geschieht IMMER im Zentrum dieser Spannung, und dort schlaucht es ganz, ganz gewaltig.

Wage Widerspruch zu bejahen. 
Wage unter Spannung zu leben. 
Wage die Konfrontation mit der Leere. 
Wage auf Granit zu beißen. 
Verharre in Sturköpfigkeit. Gib nicht auf.

Vielleicht war all das nichts anderes als eine Privatlektion des Meisters auf der Reise mit ihm.

Fortsetzung folgt.

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