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Zeit zum Aufhören

Dieses schöne Bildchen war Teil des Future Church Symposiums.

Interessant, dass im Deutschen das Wort aufhören mit hören zusammenhängt. Das muss man einem Ausländer, der sich ohnehin völlig verzweifelt durch die deutsche Sprache samt Grammatik gräbt, auch erstmal erklären! Warum sind aufhören und aufhorchen zwei völlig verschiedene Begriffe?!

Andererseits war ich versucht, hier ein Foto unserer Jagdhündin zu posten. Ich hab’s aber nicht gemacht, weil ihre wunderschöne Nase ja erst im Januar zu sehen war. (Nicht, dass sie auf ihre alten Tage noch eingebildet wird.) Denn wenn Zera, so heißt sie, etwas wittert, vernimmt oder eben hört, dann hört sie buchstäblich auf, stellt die Ohren spitz, den neigt Körper in erwartungsvoller Spannung leicht vor, bereit, jederzeit loszusprinten; doch bevor es soweit ist, muss sie sich erst Orientierung verschaffen, muss genau wissen, in welche Richtung es gehen wird, und das Aufhorchen zwingt zum Aufhören mit allem, was sie gerade eben so beschäftigt haben mag. Ach, was hat mich diese Hündin nicht alles gelehrt in den letzten elf Jahren!

Und nochmal: Ach! Wären wir Christen doch ebenso fähig zum Aufhören, Aufhorchen, wenn der Geist etwas wittert! Doch mir scheint eher, wir haben unsere Sinne einlullen lassen und trotten im Gleichschritt nach Utopia, von dem keiner weiß, ob es das überhaupt gibt und wenn ja, wo’s denn liegen mag. Aber wenn es alle machen, was soll’s, marschieren auch wir halt weiter, gerne im Kreis herum, vielleicht finden wir’s ja dort.

Nun, in den vergangenen Clips habe ich von der Winterdepression gesprochen, und ja, sie hat mich dieses Jahr härter getroffen als sonst, doch es war nicht des Winters Schuld. Dunkelheit und Vitamin D haben gewiss eine Wirkung auf die Physiologie, doch das ist nix Neues im Norden. Das ist nicht erst so, seit ich hier wohne. Der wahre Grund ist, dass ich seit August 2016 Irrlichtern gefolgt bin, die mich im Moor betrogen haben. Und obwohl ich genau sehen konnte, wo ich eigentlich hin musste, saß ich fest. Im Sumpf steckend ist eine Winterdepression fast das kleinere Übel, aber auch keine Erheiterung.

Hätte ich es besser mal gemacht wie meine Zera. Sie ist auf Elchjagd programmiert, und sie weiß ganz genau, wie das geht. Ich bin nicht auf Elche programmiert, sondern darauf, im Sumpf der Zukunft einen Pfad für die Gemeinde zu pflastern, und ich weiß recht genau, wo das möglich ist und wo nicht. Jetzt weiß ich sogar, was passiert, wenn ich wider besseren Wissens von der Spur abweiche, die ich erschnüffele, nur weil ein paar Dumpfnasen glauben, sie wüssten es besser: Man wird quaddernd und blubbernd festsitzen.

Ende Februar hat mich jemand aus dem Sumpf gezogen. Im März habe ich gelernt, dass ich auf meinen alten Pfad zurück muss. Im April werde ich meine nassen, kalten und völlig vermoorten, alten Kleider nacheinander ablegen. Ich werde einen Arzt brauchen und hören, was er mir zu sagen hat. Davon hängt der Mai ab.

Spätestens heute, am 1. April, werde ich aufhören, den mir bekannten Irrlichtern weiter zu folgen. Und den ersten verschlammten Kleiderfetzen habe ich auch von mir geworfen: Mein Facebookkonto ist ab heute deaktiviert. Das süße Gift vom Zuckerberg wird jetzt nicht mehr geschleckt. Und das ist erst der Anfang.

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