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Mission im Jahrhundert der Veränderungen

Hejsan!

Schön, dass Ihr uns auf dieser Seite findet und uns ein paar Schritte auf der ungewöhnlichen Lebensreise begleitet, auf der Gott uns führt.

Wie alles begann…

Im ersten Jahr dieses Jahrhunderts, als gerade unser drittes Kind zur Welt kam, wurde Marcus, noch als Medizintechniker unterwegs, in ein Theologiestudium berufen. Das war unerwartet, doch sechs Jahre später ging es erst so richtig los: Wir erhielten den Auftrag, eine „Gemeinde der Zukunft“ zu entwickeln, die gerade solchen Menschen Gute Nachricht ist, die von Kirche die Nase voll haben. Gott wählte dazu ein Land, das zwar im 20. Jahrhundert noch Erweckungen erlebte, sich heute aber zu den säkularsten der Welt zählt: Schweden. Außerdem fand Gott unseren Wohnort ausgerechnet in einem Stadtteil, wo sich nicht nur säkulare Schweden, sondern vor allem Nichteuropäer mit ihren Kulturen und Religionen tummeln – ein perfekter Zukunftsspielplatz. Hier war unsere ganze fünfköpfige Familie gezwungen, völlig neu zu leben, zu lernen und zu denken. Auf dieser langen Achterbahn haben wir so manchen Looping genommen – und so einiges ist uns aus den Händen gefallen, das wir einfach nicht länger festhalten konnten.

Wie gründet man Zukunftsgemeinden in einer neuen Zeit?

Das ist wohl mit Abstand unsere schwierigste Frage. Es gibt keine schnellen Antworten. Erst recht keine simplen. Folglich lernen und experimentieren wir immer weiter, und zwar meistens in vier Bereichen:

Der erste „Lichtclip“ erklärt die vier Bereiche anschaulich. Jeden Monat gibt es eine Fortsetzung: Hier klicken! (ab 01/21)

1) Kontaktarbeit

Wir wussten gleich, dass es nicht funktionieren würde, Kopien von bereits bestehenden Gemeinden zu bauen. Andere Gemeindegründer hatten das hier bereits ausreichend versucht. Genau deshalb erhielten wir ja den Auftrag, völlig neue Ansätze zu entwickeln. Leider gab es dazu keine Baupläne. Wir wählten also von Anfang an, nicht – wie sonst bei Gemeindegründungen recht üblich – mit Räumlichkeiten und Gottesdiensten zu beginnen. Stattdessen verbrachten und verbringen wir immer noch so viel Zeit wie möglich mit denen, die nie in solche Gottesdienste gehen würden, egal wie toll diese auch sein mögen. Wir möchten, dass wir uns gegenseitig richtig gut kennen- und verstehen lernen. Vor allem aber muss Vertrauen wachsen, und das kann dauern. Schnellbekehrungen sind für uns also ebenso wundersam wie Heilungen von Blinden und Lahmen. Im Laufe der Zeit aber lernen wir sehr viel darüber, warum diese Menschen keine Kirchen wollen. Diese Erkenntnisse sind unbezahlbar, deshalb ist und bleibt Kontaktarbeit der erste und vielleicht wichtigste Dienstbereich.

2) Internationales Lernen

In unserer Arbeit gibt es (mindestens) drei Gefahren. Erstens die Einsamkeit des Außenseiters, weil man anders arbeitet als üblich. Zweitens die Versuchung, seine eigene Erkenntnis als der Weisheit letzter Schluss anzusehen. Drittens die unnötige Überzeugung, so manches Rad ganz neu erfinden zu müssen. Diesen Gefahren begegnen wir, indem wir uns einem internationalen Netzwerk aus Gleichgesinnten angeschlossen haben, Communitas International. Hier findet ein reger Austausch an praktischen und theologischen Erfahrungen statt. Während der ersten Dienstjahre haben wir hier sehr viel Hilfe und Inspiration empfangen. Nun gehören wir fast schon zu den alten Hasen und heute obliegt es uns, unseren Novizen Hilfe und Inspiration zu sein. Außerdem bewahrt die internationale und interkulturelle Begegnung jeden davor, zu lange im eigenen Saft zu braten. 

3) Forschung und Reflexion

Alle Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse bleiben nur trockene Infos und Daten, wenn sie nie interpretiert und angewandt werden und vor allem dazu beitragen, „Evangelium“ für unsere Zeit zu formen. Ein Beispiel: Wir wissen heute, dass „Vergebung der Sünden“ – für Luther einst höchstrelevant – unseren heutigen Freunden so viel bedeutet wie irgendein Stein auf dem Mars, und dass es deshalb wenig bringt, dieselbe Botschaft lauter, farbiger oder musikalischer zu liefern. Stattdessen müssen wir herausfinden, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Ein wahrscheinlicher Grund ist, dass wir Christen das Evangelium völlig individualisiert und „privatisiert“ haben und nur auf mich, ich, mir und meins beziehen. „Du hast halt deinen Glauben und ich meinen.“ Jesus wird ein bisschen als Alternative zum Schoßhund empfunden, was nicht alle so attraktiv finden. Die nächste Frage lautet also: Wie wird aus dem privaten Evangeliümchen wieder eine schlagkräftige, weltumfassende Gute Nachricht, die nicht nur auf Luthers, sondern auch auf heutige Ängste antwortet?

4) Akademische Ausbildung

2009 stellte Gott auf wundersame Art die Weichen für Marcus, Studenten an der Skandinavischen Akademie für Leitung und Theologie begleiten zu dürfen. Heute ist ALT die wahrscheinlich größte theologische Ausbildung Skandinaviens und Marcus mittlerweile Studienleiter und Lehrer für Missionswissenschaft. ALT verhilft uns zu wichtigen und strategischen Kontakten im ganzen Land, aber fordert uns auch heraus, unser ganzes Denken auf einem akademischen Niveau zu halten und sich nicht nur von Meinungen und Gefühlen leiten zu lassen. Das wichtigste an diesem Bereich ist aber vielleicht, das hier die Pastoren und Evangelisten der zukünftigen Jahrzehnte geformt werden. Sie verdienen es, adäquat vorbereitet zu werden.