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Exodus

„Exodus“ ist eine beeindruckende Gemeindefreizeit, die unsere Partnergemeinde Saron alle paar Jahre durchführt. 2009 war es wieder soweit. Wir hatten uns entschieden mitzufahren, weil man auf einer Freizeit die Menschen ganz anders kennen lernt und es einfach Spaß ist. Fårö hatte man sich als Ziel ausgesucht; wir selbst wären nicht im Entferntesten auf den Gedanken gekommen, diesen entlegenen Zipfel des Landes freiwillig aufzusuchen. Die Schafsinsel, wie sie wörtlich heißt, liegt nördlich der Insel Gotland in der Ostsee. Zwei volle Reisebusse machten sich auf den Weg, dazu viele mit ihren eigenen Autos, und wir als einzige mit unserem Wohnwagen. Auf der 3-stündigen Fährüberfahrt nach Visby auf Gotland trafen sich dann alle um schließlich die letzte Etappe ins ehemalige militärische Sperrgebiet zu unternehmen.

Die Kalksteininsel hat einen ganz eigenen Charakter und ist mit der typisch schwedischen Landschaft gar nicht zu vergleichen, es kam mir eher wie eine Mischung aus Schweden, Irland, Griechenland und Lüneburger Heide vor. Ingmar Bergmann lebte auf Fårö, und ich muss zugeben, er hatte Geschmack, der Junge, zumindest was die Landschaft anging in der er lebte. Unser Freizeitheim, ein ehemaliges Ausbildungslager für zivile Soldaten (ja, so was gibt es in Schweden), war einfach, aber großflächig und vor allem sonnenbeschienen. Gotland hat die meisten Sonnenstunden Schwedens, und weil es außerdem ein besonderer Boden ist, gibt es hier eine einzigartige Flora und Fauna. Aber keine Elche – sehr zur Enttäuschung der deutschen Touristen, von denen es dort auch kaum welche gibt. Ob es der Mangel an Elchen ist, der die Deutschen fernhält, oder vielleicht doch eher eine zweite lange Fährfahrt weiß ich nicht, auf jeden Fall kam uns Gotland und ganz besonders Fårö wie ein schwedisches Eldorado, wie ein echter Insidertipp vor.

Drei Themen standen auf dem Freizeitprogramm: Kultur, Abenteuer und Familie. Wer wollte, konnte sich jeden Morgen in mönchischer Disziplin üben und sich schon in aller Frühe einer „Pilgerwanderung“ mit Meditation, Bibeltexten und Gebeten draußen in der Natur hingeben. Jeden Vormittag gab es eine Stunde mit einer Bibelarbeit. Nachmittags gab es verschiedene Angebote. Zum Beispiel eine Kulturreise rund Fårö; Ole, Nils und ich haben uns am Abenteuertag in 10m Höhe an Seilen und Schaukeln durch die Bäume gehangelt während andere sich beim Paintball beschossen, der Familiennachmittag war gespickt mit traditionell mitteralterlichen Gotlandspielen von Fußhakeln über „zieh-mir-die-Füße-unterm-A…-weg“ bis hin zu Bleischeiben-schmeißen und dem fast schon schottisch anmutenden Baumstamm werfen. An jedem Abend gab es einen coolen Gottesdienst zum jeweiligen Tagesthema wobei mir die Predigt zum Thema Kultur zugewiesen worden war.
Wir hatten uns gedacht, wenn man die Reise an solch ein Fleckchen schon mal gemacht hat, dann bleiben wir doch noch 10 Tage länger, zogen unser Schneckenhaus an den Campingplatz in Sudersand wo wir uns doch prompt mit unseren Campingnachbarn angefreundet haben, eine nette Familie aus Hannover, die schon seit Jahren mit ihren drei Kindern nur auf Fårö Urlaub macht. Der Kontakt entstand, weil wir uns einen tollen freien Platz neben deren Wohnmobil ausgesucht hatten und ich dummes Greenhorn noch immer nicht gelernt habe, keinen 4×4 mehr zu fahren sondern bloß so einen ordinären VW-Bus. Naja, und da brauchte ich eben etwas Hilfe erst den Wohnwagen und dann den Bus wieder aus den Dünen zu schaufeln… Aber mit ein paar Saronmännern, die auch noch am Strand waren und freudig ihre Wikingerkraft unter Beweis stellten und einem Hannoverschen Jung ging das recht flott.
Danach konnten wir uns braten lassen wie auf Mallorca und es war herrlich. Ausflüge zu den eigenartigen „Raukar“, riesige versteinerte Schwämme, die es nur hier gibt, oder in die Hansestadt Visby machten den Urlaub perfekt. Und viel, viel Zeit zum Lesen und Spielen, Laufen und Schwimmen.
Gestern kamen wir zurück, und heute geht es auch gleich weiter – wie es eben so ist. Ich für meinen Teil habe mich in Gotland verliebt, nicht nur wieder neu in meine Frau sondern auch in die Gegend und ich wage zu behaupten, es war nicht das letzte Mal, dass wir da waren.

2 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    Na das sind ja wirklich extreme Strapazen für einen Missionar

  2. Nee, überhaupt nicht, das war nämlich unser Urlaub!

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