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(Un-)Deutliche Botschaften?

Man fragt sich ja manchmal. Wundert sich. Reflektiert. Nicht nur Robert Lembke fragte regelmäßig „Was bin ich?“ (Ok, der jüngeren Generation geben wir mal eine kurze Wikipause zum Herausfinden, wer oder „was“ Robert Lembke ist bzw. war.) Ich für meinen Teil frage regelmäßig: Wer oder was ist H2O? Legen wir los: Welches Schweinderl hätten’s denn gern?

Theoretisch ist ja alles klar: Von Anfang an, noch bevor wir überhaupt herzogen, sollte dieses Projekt wegweisend für die Gemeinde der Zukunft sein. Und das ist es auch – bzw. wird es in Zukunft noch viel mehr werden. Soweit so gut.

Gemeinde der Zukunft ist und bleibt aber immer noch Gemeinde. Wir haben im Gegensatz zu anderen Kirchen die Wahl getroffen, richtungsweisend lieber die Form und nicht den Inhalt zu ändern. Der zentralste Inhalt des christlichen Glaubens ist die Anbetung Gottes durch Jesus Christus. Und weil das ganzheitlich und nicht nur zu einem begrenzten Zeitpunkt an einem bestimmten Wochentag stattfinden soll, kann man dies in nur einem Wort zusammenfassen: Jesusnachfolge. Das ist der kompromisslose und nicht-verhandelbare Kern H2Os. Formen können hingegen variieren wie sämtliche kuriosen Lebensformen in Gottes wunderbarer Schöpfung.

Gingen wir damals, als alles seinen Anging nahm, recht in der Annahme, dass ein zeitgemäßes Update der Christusnachfolge mehr Menschen auf Jesus neugierig macht – à la „They like Jesus but not the Church„? Nein, gingen wir nicht. 5 Mark ins Schweinderl. Danke. Wir haben zusammengelegt unzählige Gespräche mit allen möglichen Menschen über Leben, Glauben und Christus geführt. Viele wirklich sehr gute Gespräche. Viele wirklich sehr interessierte Menschen. Die Zahl der neuen Jesusnachfolger bewegt sich allerdings höchstens im einstelligen Promillbereich. Werden unsere Proklamationen überhaupt gehört? Wahrgenommen? Bevor jemand voreilig die nächsten 5 Mark ins Sparschwein schmeißt möchte ich kurz was erläutern.

Ich hab neulich viel über den nachgedacht, dem wir nachfolgen. Er hatte (wie wir) einen klaren Auftrag. Er ist (wie wir) von seiner Heimat an einen fremden Ort gezogen. Er musste (wie wir) die Landesprache und die örtlichen Gepflogenheiten lernen. Und irgendwann fing er an, unnormal zu werden (wie wir?!). Er zog herum, tat äußerst ungewöhnliches und redete Dinge, die kaum jemand begriff. Zu fast keinem Zeitpunkt erwähnt er eindeutig, dass er derjenige ist, auf den eigentlich alle warten. Zu fast jedem Zeitpunkt sagt er es hingegen sehr versteckt, zwischen den Zeilen, symbolisch. Er erzählt verschlüsselte Geschichten, die erstmal keiner kapiert und lässt oft Taten mehr sprechen als Worte. Und der einzige Typ, der zu kapieren scheint, wer dieser Mann wohl ist, kriegt als Antwort: „Bild dir bloß nicht ein, dass du darauf von selber gekommen seist.“

Am Ende dieses mysteriösen Dienstes, kurz vor dem vermeintlichen, endgültigen „Scheitern“, wie es scheint, sagt er ziemlich lässig: „Wer aus der Wahrheit ist, der hört schon, was ich sage.“ Jesus kaut uns wirklich nichts vor. Er lässt uns auf Schatzsuche gehen und im Schweiße unseres Angesichts buddeln, bis wir finden, was wir suchen. Wer nix sucht, findet nix und soll auch nix finden. Jesus war lagom-deutlich.

In den vergangenen zwei Wochen bekam ich ein paar Mails, die mich ziemlich verwundert haben. Alle kamen von eher entfernten Bekannten aus der Umgebung. Alle brauchten irgend eine Art von Hilfe. Wie sich herausstellte, wussten zu meiner größten Überraschung alle exakt wer ich bin, was ich glaube, wer oder was H2O ist und was wir so machen. Niemand von denen trifft mich regelmäßig, niemand kommt zu H2O. Doch alle hatten offenbar genug Vertrauen, um sich mit ihrem Anliegen an mich zu wenden.

Ich lerne daraus, dass H2O ebenfalls lagom-deutlich kommuniziert und proklamiert. Genug, um Leute neugierig darauf zu machen, wer oder was wir sind und was wir wollen. Genug, um herausfinden zu können, dass es hier um die Nachfolge dieses Jesus geht. Genug, um zu sehen, dass H2O anders ist als andere Kirchen. Genug, um dennoch für sich selbst die Wahl zu treffen, lieber auf Abstand zu bleiben. Jedenfalls, so lange man keine Hilfe braucht.

Die einzige Frage, die hingegen ewig unbeantwortet bleiben wird, ist die: Was hätte Robert Lembke mit den 5 Mark gemacht, wenn die Antwort „lagom“ ist?

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