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Mutproben

Es war sehr belebt um uns herum. Ich saß mit einem Mann in der Mitte einer riesigen Halle in einer Art überdachtem „Straßen“-Café. Während wir ein gutes und tiefes Gespräch hatten, strömten Massen von Menschen an uns vorbei. Die meisten Seelsorgegespräche führe ich auf diesem Teil der Lebensbühne – öffentlich, mitten im Leben. Plötzlich, als ich für einen kurzen Moment abgelenkt war, weil ich etwas aus meinen Sachen hervorkramen musste, sprang mein Gegenüber fluchtartig auf und verschwand. Ich sah nur, wie er dem Pfeil zu den Toiletten folgte und fragte mich, wie nötig er es wohl gehabt haben musste. Doch dann erkannte ich ihn wenige Meter hinter dem Toilettenpfeil im Gespräch mit jemanden, den ich nicht sehen konnte. Wenige Minuten später kam mein Freund zurück und entschuldigte sich, dass er einfach so abgehauen sei. Doch jeden Tag wolle er etwas machen, was er sich eigentlich gar nicht traue zu tun. „Und dann ging da gerade eben dieser Herr mit seinem phantastischen Bart vorbei, und ich musste ihm einfach sagen, wie klasse das aussieht.“

Enorm. Manchmal fühlt sich zwar mein ganzes Leben wie eine einzige Riesenmutprobe an, doch vielleicht sollte ich diese tägliche Übung auch in meinen Alltag einbauen. Einfach, um noch mutiger zu werden. Vor ein paar Jahren machte eine Gruppe junger Erwachsener Schlagzeilen, weil sie in Göteborger Straßenbahnen spontan Witze erzählten und damit sämtliche Fahrgäste unterhielten. Als die Zeitung sie im Interview fragte, warum sie das machen, offenbarten sie, dass sie damit versuchen, ihre Angst, Hemmungen und Menschenfurcht zu überwinden. Sie hatten sich überlegt, täglich etwas zu tun, was kein normaler Mensch tut, etwas, wo allein der Gedanke schon Angst einjagt, was aber trotzdem angenehm für andere Menschen ist. Beeindruckend.

Ich werde wohl keine Witze in den Öffis erzählen, aber irgendwas wird sich doch wohl täglich finden lassen. Männerbärte loben?! Wer macht mit? Dann können wir uns gegenseitig anfeuern und gute Ideen oder Erlebnisse austauschen!

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