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Gottes Thron in Tageszeitung (2)

Schon interessant, dass der Thron Gottes so viel Platz in einer Tageszeitung bekommt, nicht wahr? Mir viel gleich auf, dass neben Gott im Rauschebart selbst Jesus vorkommt, das geschieht nicht oft in derartigen „Berichten“. Den Heiligen Geist hat man als drittes Glied der Dreieinigkeit zwar völlig vergessen, aber hier sollten wir Milde walten lassen; ich schätze, vielen evangelikalen Christen würde das ähnlich gehen. Und dann sind da die ganzen altbekannten Klischees: Gott als grauhaariger Greis, der nur seine Ruhe will und auch sonst nichts mitkriegt von der Welt. Der Nase Gottes nach zu urteilen pflegt man in den frischgebrühten Tee auch immer noch was frischgebranntes Hochprozentiges einzurühren. Jesuboychen sitzt als zartes Weichei neben Papa und darf immerhin dieses Gebräu schon mittrinken. So „himmlisch“ ist es also im Himmel. Leider stört der Aufmarsch der Nonkonformen das himmlische Idyll und die friedliche Zweisamkeit der zwei Einsamen. Die unverschämte Tatsache, dass diesmal Petrus der Verräter ist und nicht Judas, versetzt den Allmächtigen in solche Verunsicherung, dass er sich nur noch mit einer äußerst irdischen Erfindung des späten Mittelalters zu helfen weiß: Schwarzpulver und Donnerbüchse. Wer allerdings damit abgeknallt werden soll, bleibt unsgesagt. Ebenso ungeklärt bleibt, wie derartige „Hinrichtungen im Himmel“ theologisch argumentiert werden sollen.

Doch meine größte Frage ist diese: Warum wird Gott so dargestellt? Wie ist ein solches Bild vom Throne Gottes entstanden? Es gibt nur eine Antwort. Gemäß der Bibel, Gottes wahrem Wort, ist die Gemeinde der „Leib Christi“, also die Verkörperung Gottes auf dieser Welt. Wenn Comiczeichner und andere Erdenbewohner keine Bibel lesen, um mehr über Vater, Sohn und Heiligen Geist zu erfahren, dann bekommen sie nur mit, wie „Gottes Körper“ sich auf dieser Welt so darstellt. Daraus zieht man folgerichtig die Konsequenz, dass der Kopf – und damit die Steuerzentrale dieses Körpers, also Gott selbst – genau so sein muss, wie der Körper es auslebt. Mit anderen Worten: Wer sich Gott als grogtrinkenden, senilen Choleriker vorstellt, hat wohl zu viele Kirchen und Christen gesehen, die ihm das vorgemacht haben. Oder etwas milder ausgedrückt: Sie haben zu wenig Kirchen und Christen erlebt, die ihm etwas anderes vorgelebt haben. Vielleicht hat unsere junge Comiczeichnerin aus Malmö mit ihren nur 19 Lebensjahren schon oft erlebt, dass Kirchen sich lieber zum Tee trinken zurückziehen (und sich vielleicht sogar gerne was in die Tasse rühren, was andere aber nicht unbedingt so mitkriegen sollen), als sich raus in die Welt zu begeben und dort anzupacken, wo es gebraucht wird. Vielleicht empfindet sich diese junge Frau selbst als eine Art „queere“ Außenseiterin, mit der viele Gemeinden aber nichts zu tun haben wollen und sich lieber in weltfremder Manier um sich selbst kümmern. Doch was ist, wenn diese „queere“ Welt plötzlich doch durch die frommen Pforten in die heiligen Hallen kommen sollte? Der Comic schlussfolgert: Dann ist Schluss mit „Komm so wie du bist!“ Die Gemeinde ist schnell überfordert und lässt sich zu unweisen Entscheidungen verleiten, um sich des Problems wieder zu entledigen.
Schrecklich finde ich allerdings, dass da Jesus auch mitzumachen scheint. Nehmen wir einmal an, in diesem Comic symbolisiert Gott der Vater die großen Kirchen der Welt. Dann muss Jesus wohl für die evangelikalen Freikirchen stehen. Die, die sich heute „Jesusnachfolger“ nennen, sind kleiner, jünger, softer, zerbrechlicher, werden aber als Handlanger der Großen in den gleichen Topf geworfen. Auch für sie gilt: Lieber himmlischen Tee trinken, immer fromm gut drauf sein und auf Worshipwolken schweben, aber die wahren Herausforderungen der Welt lassen auch sie lieber vor den Türen der Gemeindehäuser. Es macht mich traurig, dass Jesus als solch ein Babybeckenplanscher dargestellt wird. Wer hat dem Löwen von Juda die Zähne gezogen? Wo ist er, der sich einsetzte für Gerechtigkeit, der die Heuchler bloßstellte, der mit den „Queeren“ feierte und aß? Wo ist er, der denen Liebe gab, die sonst keiner lieben will? Hatte er nicht Nachfolger berufen, die es ihm gleichtun sollten und die einmal „Körper Jesu“ genannt werden sollten? Wo sind die Jesusrepräsentanten, die wie der echte Jesus auf’s Ganze gehen? Wo sind die mutigen Jesusnachfolger, die wie ihr Vorbild den Mund auftun? Wo sind sie, die wie der wahre Sohn Gottes täglich bei den Zöllnern und Sündern essen? Wo sind sie, die nicht in schicken Schlitten herumsausen, sondern auf Eseln reiten? Die bereit sind, sich wie ER zum Esel machen zu lassen, verspottet und ausgelacht? Die für die Ausgegrenzten einstehen? Die, wenn es sein muss, selbst ihr Leben aus Liebe lassen würden? Wo sind sie? Warum wird Jesus in solchen Comics nicht so dargestellt?
Und schließlich kommt dann doch noch der Heilige Geist ins Spiel. Im Flüsterton scheint Er mein Inneres zu umwehen wie eine Brise und mich leise zu fragen: „Marcus, wo bist du? Wo bist du Jesus zu den Menschen?“ Es wäre nun angenehm, etwas fromme Musik aufzudrehen und dieses Flüstern einfach zu übertönen. Ich tue es nicht und stelle mich stattdessen. „Welche Menschen in deiner Umgebung haben letzte Woche Liebe und Unterstützung gebraucht? Warst du Jesus zu diesen Menschen? Welche Ungerechtigkeit hast du beim Namen genannt? Wohin hast du dich diese Woche senden lassen? Warst du eins mit Jesus gleichwie Jesus eins war mit dem Vater? Konntest auch du nur das tun, was Jesus tut gleichwie Jesus nur das tun konnte, was der Vater tat? Wie würde dieser Comic aussehen, wäre die junge Frau vorher dir begegnet?“
Ich gehe auf die Knie. Ja, diese Woche durfte ich tatsächlich ein Hoffnungsträger für einige Menschen sein und ich bete für sie und ihre Situationen. Und gleichzeitig merke ich, wie selbstbestimmt mein Leben immer noch läuft, wie anders mein Leben wäre, würde ich wirklich immer das tun, was Jesus mir vormacht und vor die Füße legt. Ich bitte um Vergebung für meinen starken Egoismus, der mich in Sachen Nächstenliebe immer wieder versagen lässt. Und ich bitte gleichzeitig für alle meine Glaubensgeschwister, dass der berühmte Ruck nicht nur durch Deutschland, sondern durch alle Gemeinden gehen möge und man nicht nur von Jesus reden, sondern auch wie er leben möge. Ich bete, dass der nächste Comic, den diese junge Frau vom Throne Gottes zeichnen wird, ganz anders sein wird:
In diesem Comic ist Jesus nicht auf Wolken hinter dem Himmelstor, sondern er steht vielleicht vor der Trainerbank und beobachtet genau, was direkt vor ihm auf dem Spielfeld abgeht. Rechts und links von ihm sind Engel in Form von Sanitätern und anderen Helfern. Seine Mannschaft ist mitten im Spiel. Er gibt ständig Anweisungen, wer wohin spielen oder laufen soll. Manchmal wirft er die Hände in die Luft oder tanzt vor Freude mit den Engeln über ein gefallenes Tor. Manchmal ruft er dem ein oder anderen Spieler energisch etwas zu. Manchmal klatscht er sich die flache Hand vor die Stirn. Manchmal schickt er Sanis aufs Spielfeld. Das Spiel hat keinen Schiedsrichter und ist sehr unfair. Doch Jesus ruft der Mannschaft zu: „Macht euch nichts draus! Spielt weiter! Es steht schon 777.000.000 : 0! Wir haben gesiegt! Den Rest schaffen wir auch noch!
Für einen solchen Comic braucht es Christen, die der Welt genau so einen Jesus vorleben. Und dazu braucht es auch DICH und mich.
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