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Die Lehre der Leere (11): Moleskine

In den folgenden Wochen merkte mir vermutlich kaum jemand an, dass sich völlige Leere in mir ausgebreitet hatte. Mein 50. Geburtstag, Silberhochzeit, andere Events, alles war mir scheißegal. Entsprechend gab es auch keine Feiern – vielleicht zur Enttäuschung oder zumindest Verwunderung mancher Freunde. Ging mein Handy, hob ich nicht ab. Aufgesprochene Nachrichten blieben ungehört, bis die Telefongesellschaft sie nach zwei Wochen wieder automatisch löschte. Sms las ich erst nach Tagen, wenn überhaupt, Mails gar nicht. Stattdessen besorgte ich mir ein zweites Handy. PrePaid mit geheimer Nummer.

Mein Inneres war gefühllose Kälte. Das heißt, ab und zu gab es Gefühle: Angst oder Nervosität. So, als hätte man zwei Kannen Kaffee zu viel getrunken. Oder als sollte man morgen standesrechtlich erschossen werden. Doch ich wich nicht aus, sondern akzeptierte es. So hatte ich es schließlich beschlossen.

Das einzig Lebendige war der Wunsch, manche Gedanken aufzuschreiben, die mich ab und zu durchschossen. Nahe Mailand, der Heimatstadt der Moleskine, kaufte ich ein schönes Notizbuch. Mit einem Satz neuer, bunter Stifte begann ich zu schreiben.

Beim Schreiben begann ich wieder etwas Positives zu fühlen. Der Grund der Leere war es wohl, voll von Dingen zu sein, die raus mussten. Ich schrieb wenig und kritzelte langsam, immer nur grad so viel, wie ich fühlte, ohne groß denken zu müssen.

Fortsetzung folgt.

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