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Mut zur Utopie

Foto oben: In vielen Kulturen wird der Marienkäfer direkt oder indirekt nach der Mutter Jesu benannt. Bevor er zum säkularen Glücksbringer wurde, war er Symbol für unbeschwerte Unschuld, Freude und Fruchtbarkeit als Geschenk Gottes.

(Grüne Hoffnung V)

Du spürst, wenn du genug getrauert hast.

Den Zeitpunkt kann man nie voraussagen. Es mag Wochen dauern, Monate, Jahre sogar. Doch irgendwas passiert in dir. Eine Idee, ein neuer Gedanke, eine Alternative. Ein Hoffnungsschimmer. Langsam lässt das Grübeln nach, man beginnt, wieder zu träumen.

Nicht, dass das betrauerte Subjekt, der geplatzte Traum, der verlorene Arbeitsplatz, der verstorbene Freund, oder so etwas profanes wie ein zerstörter Garten, plötzlich nicht mehr wichtig seien. Im Gegenteil.

Schlechte, oft unterdrückte Trauer fegt alles unter nur den Teppich. Will das Geschehene ungeschehen und unsichtbar machen. Zurück bleiben dann unschöne, größer werdende und gefährliche Beulen, über die man stolpern wird.

Gute Trauer aber baut es in den Teppich ein, fügt es den bestehenden Mustern hinzu, macht es zum Teil deines Lebensmusters, deiner Geschichte. Gute Trauer integriert, das ist ihr Zweck. Genau deshalb ist sie so wichtig. Was auch immer du betrauert hast, nun ist es ein Teil von dir, ein Teil deiner Identität. Liebe hat dich leiden lassen und dadurch bist du reifer geworden. Wer viel trauert, der liebt viel. Und wer viel liebt, trauert nicht nur viel, sondern wird auch gnädiger, weiser und geduldiger.

Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass gute Trauer immer ein Ende findet. Und mit dem Gelernten und Erfahrenen kann man plötzlich neue Träume und Ideen zeugen. Ideen, die besser, weiser, mutiger und utopischer sein mögen als es je zuvor möglich gewesen wäre.

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