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Ich hab da mal ne Frage oder zwei.

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Wie gehen wir mit denen um, die geistlichen Schiffbruch erleiden?
Dieses Wrack nahe der Insel Burray habe ich links liegen gelassen.

Wie solidarisch sind Christen mit den vielen Menschen, denen es immer schwerer fällt, glauben zu können? Denen, die mit großen, existenziellen Fragen an ihrem oder unserem Glauben zweifeln, die den Sinn der Existenz der Menschheit in Frage stellen, die nichts mit unseren Gottesbildern anfangen können? Wie solidarisch stehen wir jenen neuen Massen zur Seite, die große oder extrem große Sorgen vor der Zukunft haben? Wie weit darf die Extrameile sein, die wir als „kleine Christusse“ mitzuwandern wagen?

Trauen wir uns, mitzufühlen? Verstehen wir eigentlich, wie sie denken, empfinden? Wissen wir um ihre Fragen? Ihre Zweifel? Gelingt uns Mitgefühl? Gelingt es uns überhaupt, muss ich mich auch fragen, mit Christus mitzufühlen, der schon allen anstrengenden Fragen auf den Zahn fühlte, als er „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ stöhnte?

Oder verstecken wir Christen uns lieber in einer Blase aus Scheinfröhlichkeit und keimfreien Antworten ohne schweißtreibende Fragen? Einer Blase, die gerade die freikirchliche Kultur kennzeichnet, eine Kultur mit vielen Wurzeln im 19. Jahrhundert, jenes merkwürdige Jahrhundert mit seinem enormen Zukunftsglauben, einer gefährlichen Naivität, die zwei Weltkriege auslösen sollte, einer moralisierenden Frömmigkeit aus aufgebauschten Tugenden, genährt von einer zwanghaften Faszination für „Sünde“ . Das 19. Jahrhundert brachte als Reaktion auf solche Kapriolen nur einen Nietzsche hervor.

Was aber wird das 21. Jahrhundert hervorbringen, sollte es uns wieder nicht gelingen, uns solidarisch mit denen zu zeigen, die gerade (ver-)zweifeln?

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